Geschäftsbericht 2016

Kompetenz

Herausforderung

Die EAA hat 2009/2010 zahlreiche Risikopositionen der einstigen WestLB übernommen, darunter schwierige Schiffskredite, gescheiterte Hotelprojekte oder Engagements im damals angeschlagenen US-Immobilienmarkt. 2012 wuchsen ihre Aufgaben und ihr Portfolio deutlich. Denn es ging darum, mit der WestLB eine international verflochtene Großbank vollständig vom Markt zu nehmen.

Die EAA hat die Herausforderungen angenommen und nachhaltig dazu beigetragen, die Folgen der Finanzkrise zu bewältigen. Eine Blaupause für das Modell „Abwicklungsanstalt“ gab es bei ihrem Start nicht: Passende Instrumente, Strukturen und Prozesse mussten erst entwickelt werden. Eine anspruchsvolle Aufgabe, die Mitarbeiter mit langjähriger Erfahrung in der Bankenwelt erforderte, die sich auf Neues einlassen – auch ohne langfristig gesicherte Perspektive, wie in einem auf Dauer angelegten Unternehmen.

Expertise

Um ihren Auftrag zu erfüllen, benötigt die EAA zusätzlich zur Expertise im Kreditgeschäft, im Wertpapierhandel, in der Refinanzierung oder zur Wahrung regulatorischer Pflichten eine Vielzahl weiterer Spezialisten, etwa mit guten Kenntnissen unterschiedlicher Industrie-Branchen oder regionaler Märkte. Denn die übertragenen Positionen verteilten sich auf fast 100 Länder und etwa 60 unterschiedliche Währungen.

Das breit diversifizierte Portfolio erfordert außerdem Erfahrungen mit großvolumigen Projekten im Energiesektor oder mit dem schwierigen Schiffsmarkt. Im Kreditrisikomanagement der EAA verstärken auch Manager mit Know-how in der Vermögensverwaltung oder in der Private-Equity-Branche das Team. Zur Steuerung des großen Beteiligungsportfolios der EAA sind Spezialisten für Verkäufe, Betriebsübergänge oder die Ausgliederung und Abspaltung von Unternehmensteilen gefragt.

Besonders gefordert sind zudem die Juristen der EAA: Sie müssen etwa mit deutschen und internationalem Kapitalmarktrecht vertraut sein sowie mit den ökonomischen und juristischen Feinheiten von Derivate-Geschäften oder mit den vertraglichen Tücken von Verbriefungsstrukturen. Bei Modellrechnungen und Risikoanalysen sind zusätzlich zu Bankbetriebswirten Mathematiker gefordert.

Management

Wer bei der EAA arbeitet, muss flexibel mit neuen Herausforderungen umgehen und bereit sein, große Verantwortungsbereiche zu übernehmen. Derzeit managen und optimieren 178 Mitarbeiter das Portfolio mit einer Bilanzsumme von rund 61 Milliarden Euro zum 31.12.2016. Dabei wird die EAA als Steuerungseinheit maßgeblich von zwei spezialisierten Dienstleistungstöchtern (EPA/EFS) unterstützt. Dort sind insgesamt gut 400 Mitarbeiter für das EAA-Portfolio tätig.

Zu den wichtigsten Aufgaben der EAA-Führung gehört es, das gewonnene Know-how für den weiteren Abbau zu sichern. Parallel zum Rückgang des Portfolios muss die EAA jedoch auch weiterhin Kosten senken und Personal einsparen. In diesem Spannungsfeld ist es eine Herausforderung, Spezialisten für verbliebene, teils schwierige Abwicklungsaufgaben an Bord zu halten.

 

Perspektive

Angesichts der Herausforderungen lotet das EAA-Management auch Privatisierungs- und Outsourcing-Maßnahmen aus. 2016 hat die EAA den Verkauf ihrer Portfolio-Management-Tochter EPA auf den Weg gebracht. Der inzwischen unterzeichnete Vertrag zur Privatisierung der EPA sichert der EAA bis mindestens 2020 maßgeschneiderte Services für ihr Portfolio. Die EPA-Mitarbeiter gewinnen unter dem neuen Eigentümer neue berufliche Optionen in einer auf Wachstum angelegten Unternehmensgruppe.

Endgültig abgeschlossen wird der Transfer nach Zustimmung der zuständigen Aufsichtsbehörden, die im ersten Halbjahr 2017 erwartet wird. Der Verkauf der EPA zeigt, dass die Expertise aus dem Abbau eines komplexen Portfolios am Markt gefragt ist. Die EAA-Gruppe hat sich als Kompetenzzentrum für das Management und die Abwicklung diversifizierter internationaler Portfolios etabliert.